Neukundenbonus beim Strom: Warum das zweite Jahr entscheidet
100 Euro, 150 Euro, in manchen Angeboten 250 Euro: Mit solchen Beträgen werben Stromanbieter um neue Kunden. Aus Sicht des Anbieters ist der Bonus kein Geschenk, sondern eine Vorleistung, die sich erst bezahlt macht, wenn du nach Ablauf des ersten Jahres zum regulären Preis weiterbeziehst. Genau deshalb solltest du nicht das erste, sondern das zweite Jahr rechnen.
Warum Anbieter überhaupt Boni zahlen
Ein Bonus kostet den Anbieter Geld, das er wieder hereinholen will. Der Plan dahinter ist einfach: Im ersten Jahr senkt der Bonus deine Kosten spürbar, und das Angebot steht im Vergleich ganz oben. Ab dem zweiten Jahr gilt der reguläre Tarifpreis, und der liegt bei vielen Bonusangeboten über dem, was der Markt sonst verlangt. Wer nach zwölf Monaten nicht reagiert, zahlt den Bonus über die folgenden Rechnungen zurück, meist ohne es zu merken.
Dass die Rechnung nach dem ersten Vertragsjahr plötzlich höher ausfällt, gehört zu den häufigsten Ursachen für eine unerwartete Nachzahlung. Welche weiteren Gründe dahinterstecken können, beschreibt der Beitrag zu den Ursachen einer Nachzahlung.
Die Zwei-Jahres-Rechnung
Ein Bonusangebot lässt sich nur beurteilen, wenn du es über zwei Jahre betrachtest. Dafür brauchst du den Arbeitspreis, die Grundgebühr, deinen Jahresverbrauch und die Höhe des Bonus. Dann gehst du in vier Schritten vor.
- Erstes Jahr: Arbeitspreis mal Verbrauch, dazu die Grundgebühr, davon den Bonus abziehen. Das ist der Preis, mit dem du einsteigst.
- Zweites Jahr: die gleiche Rechnung, diesmal ohne Bonus. Das ist der Preis, den du auf Dauer zahlst, und er sollte deine Entscheidung bestimmen.
- Beide Jahre zusammenzählen. Erst die Summe zeigt, was dich das Angebot über den gesamten Zeitraum kostet.
- Zum Vergleich einen Tarif ohne Bonus über dieselben zwei Jahre rechnen. Liegt das Bonusangebot in Summe darüber, war der Bonus teuer erkauft.
Bei dieser Rechnung gehört die Grundgebühr unbedingt dazu. Gerade bei kleinem Verbrauch macht sie oft mehr aus als ein Unterschied von ein paar Cent beim Arbeitspreis. Wie du daraus einen vergleichbaren Preis je Kilowattstunde machst, zeigt der Beitrag zur Grundgebühr und zum Effektivpreis.
Drei Fragen an das Kleingedruckte
Neben den Zahlen entscheiden die Bedingungen darüber, ob ein Bonus am Ende bei dir ankommt. Drei Punkte solltest du vor der Unterschrift klären.
- Wann wird der Bonus gutgeschrieben? Manche Anbieter verrechnen ihn sofort, andere erst nach zwölf Monaten. Wer vorher kündigt, geht bei manchen Konstruktionen komplett leer aus.
- Hängt am Bonus eine Bindefrist, und über welchen Zeitraum? Eine lange Bindung nimmt dir die Möglichkeit, im zweiten Jahr auf den höheren Preis zu reagieren. Was das beim Wechsel bedeutet, erklärt der Beitrag zu Bindung und Kündigungsfrist.
- Bezieht sich der beworbene Preis ausschließlich auf Neukunden und auf das erste Jahr? Dann steht der Preis für das zweite Jahr an anderer Stelle, und genau den brauchst du für deine Rechnung.
Jedes Jahr wechseln oder einmal gut wählen?
Rein rechnerisch könntest du jedes Jahr zum nächsten Bonusangebot weiterziehen. In der Praxis verlangt das Disziplin: Du musst dir die Fristen notieren, rechtzeitig kündigen und jedes Jahr neue Vertragsbedingungen lesen. Viele nehmen sich das vor und verpassen den Zeitpunkt dann doch. Mit genau diesem Verhalten rechnen die Anbieter, wenn sie den Bonus kalkulieren.
Für die meisten Haushalte ist ein Tarif mit einem dauerhaft fairen Arbeitspreis die entspanntere Lösung, auch wenn er im ersten Jahr etwas teurer wirkt als ein Bonusangebot. Wer Freude an Terminen und Vergleichen hat, kann mit regelmäßigem Wechseln trotzdem gut fahren. Welcher Weg passt, hängt an deinem Verbrauch und an der Zeit, die du dafür aufbringen willst.
Was das für deinen aktuellen Vertrag heißt
Wenn du vor etwa einem Jahr mit Bonus gewechselt hast, lohnt jetzt ein Blick auf die nächste Abrechnung. Vergleiche den Arbeitspreis und die Grundgebühr dort mit den Werten aus deinem Vertrag und prüfe, ob der reguläre Preis noch zum Markt passt. Wenn du das nicht selbst rechnen willst, schick mir die Rechnung. Ich rechne, kostenlos.
Nicht der Bonus entscheidet über einen Tarif, sondern der Preis, den du zahlst, wenn er weg ist.
Häufige Fragen
Rechne das erste Jahr mit Bonus und das zweite Jahr ohne Bonus, jeweils Verbrauch mal Arbeitspreis, dazu die Grundgebühr. Zähle beide Jahre zusammen und vergleiche die Summe mit einem Tarif ohne Bonus über denselben Zeitraum. Erst diese Gegenüberstellung zeigt, welches Angebot günstiger ist.
Schick mir deine Rechnung, ich sage dir, was dein Vertrag ohne Bonus wirklich kostet. Kostenlos.
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