Stromrechnung

Nachzahlung beim Strom: Fünf Ursachen und wie du sie prüfst

Die Jahresabrechnung ist da, und statt eines Guthabens steht eine dreistellige Nachforderung darauf. Der erste Impuls ist oft, sofort den Anbieter zu wechseln. Sinnvoller ist es, zuerst die Ursache zu finden, denn meist steckt einer von fünf Gründen dahinter, und nicht jeder davon spricht für einen Wechsel.

5 Min Lesezeit5. September 2026Michael Gondek

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Ursache 1: Die Teilbeträge waren zu niedrig

Während des Jahres zahlst du monatliche Teilbeträge, die dein Anbieter aus einer Schätzung ableitet. Liegt diese Schätzung unter dem, was du tatsächlich verbraucht hast, sammelt sich die Differenz an und kommt gebündelt mit der Jahresabrechnung. In diesem Fall ist nicht die Rechnung zu hoch, sondern die Vorauszahlung war zu niedrig. Du erkennst das am Verbrauch: Vergleiche die abgerechneten Kilowattstunden mit denen des Vorjahres. Bleibt die Menge in etwa gleich, war die Vorauszahlung das Problem. Für das kommende Jahr kannst du deinen Anbieter um höhere Teilbeträge bitten, dann verteilt sich der Betrag gleichmäßiger über die Monate.

Ursache 2: Ein Rabatt oder Bonus ist ausgelaufen

Viele Verträge beginnen mit einem Neukundenrabatt oder einem Bonus, der nur für das erste Jahr gilt. Danach greift der reguläre Preis, und der Sprung fällt oft erst auf, wenn die Abrechnung kommt. Lege dafür die aktuelle Abrechnung neben deinen Vertrag und vergleiche Arbeitspreis und Grundgebühr mit den Werten vom Beginn. Wie du das zweite Jahr mitrechnest, steht im Beitrag zur Grundgebühr und zum Effektivpreis.

Ursache 3: Du hast tatsächlich mehr verbraucht

Manchmal stimmt schlicht die Menge. Ein E-Auto, das zu Hause lädt, ein Klimagerät im Sommer, mehr Tage im Homeoffice, ein Aquarium oder eine Infrarotheizung im Bad können den Jahresverbrauch um mehrere hundert Kilowattstunden nach oben schieben. Der Zählerstand gibt hier den Ausschlag. Zeigt die Abrechnung deutlich mehr Kilowattstunden als im Jahr davor, suche zuerst nach dem Gerät, das dafür verantwortlich ist, und erst danach nach einem anderen Tarif.

Ursache 4: Dein Tarif ist in die Jahre gekommen

Bleibt ein Vertrag über viele Jahre unverändert, lohnt sich ein Vergleich mit den Angeboten, die wir vermitteln. Jeder Cent je Kilowattstunde macht bei einem Verbrauch von 3.500 Kilowattstunden 35 Euro im Jahr aus, netto, und das allein beim Energiepreis. Welche Positionen deiner Rechnung überhaupt vom Lieferanten abhängen und welche nicht, zeigt der Beitrag Stromrechnung lesen.

Ursache 5: Netz und Abgaben wurden neu festgelegt

Nicht alles auf deiner Rechnung stammt von deinem Lieferanten. Die Netzentgelte legt jedes Jahr eine Verordnung neu fest, die Abgaben Gesetz und Verordnung, und die Änderungen fallen je nach Bundesland unterschiedlich aus. Verhandeln lassen sich Netzkosten und Abgaben nicht, aber nachrechnen, und so siehst du, ob die Erhöhung von dort stammt. Die aktuellen Sätze deines Netzbereichs findest du im Netzkosten-Rechner.

Die richtige Reihenfolge beim Prüfen

Prüf die fünf Ursachen in dieser Reihenfolge, vom Einfachen zum Aufwendigen:

  • Verbrauch vergleichen: Stehen auf der neuen Abrechnung deutlich mehr Kilowattstunden als im Vorjahr, oder ist die Menge gleich und nur die Teilbeträge waren zu niedrig?
  • Preise vergleichen: Stimmen Arbeitspreis und Grundgebühr noch mit den Werten vom Vertragsbeginn überein, oder ist ein Rabatt ausgelaufen oder eine Preisänderung wirksam geworden?
  • Netzkosten und Abgaben nachrechnen, etwa mit den Sätzen deines Netzbereichs im Netzkosten-Rechner.
  • Erst am Ende die Entscheidung treffen: Teilbeträge anpassen, Verbrauch senken, Tarif wechseln oder alles so lassen.

So verwechselst du keine zu niedrige Vorauszahlung mit einem teuren Tarif. Bleibt der Energiepreis als Ursache übrig, ist das die gute Nachricht: Den kannst du ändern.

Eine Nachzahlung sagt dir, dass etwas nicht zusammenpasst. Erst der Vergleich mit dem Vorjahr sagt dir, was.

Häufige Fragen

Dann waren wahrscheinlich die monatlichen Teilbeträge zu niedrig angesetzt, oder ein Rabatt ist ausgelaufen. Vergleiche zuerst die Kilowattstunden mit dem Vorjahr und danach Arbeitspreis und Grundgebühr mit deinem Vertragsbeginn. Einer der beiden Vergleiche zeigt meist die Ursache.

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Wenn du die Ursache nicht selbst suchen willst, schick uns die Abrechnung. Wir finden sie, kostenlos.

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