Bindung und Kündigungsfrist: Wann du den Stromanbieter wechseln kannst
Die zwei Fristen werden ständig verwechselt, und die Verwechslung kostet Geld: Wer die Kündigungsfrist versäumt, hängt ein weiteres Jahr im alten Tarif. Wer die Bindung falsch versteht, wartet länger als nötig. So gehören die beiden zusammen.
Zwei Fristen, ein Termin
Die Bindungsfrist ist der Zeitraum, in dem du deinen Vertrag regulär nicht kündigen kannst. Die Kündigungsfrist regelt, wie lange vor dem Vertragsende deine Kündigung beim Anbieter eingehen muss. Erst beide zusammen ergeben den frühesten Termin, an dem ein neuer Lieferant übernehmen kann. Die Bindung sagt, bis wann du bleiben musst. Die Kündigungsfrist sagt, bis wann du gesprochen haben musst.
Ein Beispiel mit Kalender
Angenommen, dein Vertrag hat am 1. März begonnen, mit zwölf Monaten Bindung und acht Wochen Kündigungsfrist. Die Bindung endet Ende Februar des nächsten Jahres. Damit dein Vertrag zu diesem Termin endet, muss die Kündigung acht Wochen vorher eingehen, also Anfang Jänner. Wer erst im Februar daran denkt, ist zu spät: Der Vertrag verlängert sich, oft um ein weiteres Jahr, zum dann gültigen Preis.
Deshalb rechne ich vor jeder Empfehlung zuerst diesen Termin aus. Ein günstigerer Tarif nützt nichts, wenn der Wechsel erst in elf Monaten geht und der Preis bis dahin ein anderer ist.
Bindung ist der Preis für Konditionen
Anbieter binden dich nicht aus Bosheit. Sie kaufen sich Planbarkeit und zahlen dafür mit besseren Preisen oder längeren Garantien. Schlecht wird es, wenn die Fristen nicht zusammenpassen: Kurze Garantie plus lange Bindung heißt, du bist an einen Preis gebunden, den der Anbieter nach der Garantie ändern darf. Garantie, Bindung und Kündigungsfrist lese ich deshalb immer zusammen. Was die Garantie genau abdeckt, steht im Artikel Preisgarantie beim Stromvertrag.
Preiserhöhung: das Fenster geht auf
Erhöht dein Anbieter den Preis, öffnet sich ein Zeitfenster, in dem du ohne Rücksicht auf die Bindung wechseln kannst. Genau dann lohnt sich der Marktvergleich am meisten. Die Information über die Erhöhung kommt oft unscheinbar, als Beilage zur Rechnung oder als Brief mit viel Text. Wer sie überliest, verpasst das Fenster.
Die Bindung sagt, bis wann du bleibst. Die Kündigungsfrist sagt, bis wann du sprechen musst. Beides zusammen ist dein Termin.
Noch gebunden und trotzdem wechseln
Du musst nicht warten, bis die Bindung vorbei ist, um den neuen Vertrag abzuschließen. Der neue Versorger prüft deine bestehende Bindung und übernimmt zum frühestmöglichen Termin. Drei bis sechs Monate im Voraus abzuschließen ist üblich. Liegt der Termin zu weit in der Zukunft, meldet sich der neue Anbieter. So sicherst du dir einen Preis, ohne die Fristen selbst überwachen zu müssen.
Bonus, Pönale, Rücktritt
- Bonus: Ein zugesagter Bonus geht nicht verloren, er wird gutgeschrieben. Ziehst du früher aus, wird er anteilig verrechnet.
- Pönale: Bei Geschäftskunden kostet ein vorzeitiger Ausstieg. Vor jedem Wechsel gehört deshalb geprüft, ob die Pönale die Ersparnis auffrisst.
- Rücktritt: Als Haushaltskunde hast du nach der Unterschrift vierzehn Tage Zeit, es dir anders zu überlegen. Eine kurze Nachricht genügt, der Auftrag wird kostenfrei storniert.
- Dynamische Tarife: Ein dynamischer Vertrag ist jederzeit kündbar, eine Bindung ist dort unzulässig.
Was du jetzt tun kannst
Such deinen Vertrag oder die letzte Jahresabrechnung heraus und notiere drei Daten: Vertragsbeginn, Ende der Bindung, Kündigungsfrist. Daraus ergibt sich dein Termin. Fehlt eine Angabe, steht sie in den Vertragsbedingungen oder im Kundenportal. Wenn du magst, rechne ich: Die Tarifprüfung ist kostenlos, und der Termin ist das Erste, was ich kläre.
Häufige Fragen
Die Bindung ist der Zeitraum, in dem du nicht regulär kündigen kannst. Die Kündigungsfrist ist der Vorlauf, mit dem deine Kündigung vor dem Vertragsende eingehen muss. Beides zusammen ergibt den frühesten Wechseltermin.
Schick mir deinen Vertrag oder die letzte Abrechnung, ich rechne deinen frühesten Wechseltermin aus. Kostenlos.
Wechseltermin ausrechnen lassenDie Prüfung kostet dich nichts. Wechselst du danach über uns, zahlt der neue Versorger eine Provision. Auf unsere Einschätzung hat das keinen Einfluss.