← Alle Ratgeber

Photovoltaik-Amortisation: Der Eigenverbrauch macht den Unterschied

Eine Anlage mit Speicher kostet schnell 18.000 Euro, und irgendwann fragt man sich, wann das Geld wieder drin ist. Entscheidend ist nicht, was die Anlage gekostet hat, sondern wie viel des erzeugten Stroms im Haus bleibt. Hier ist die Rechnung, ohne Schönfärberei.

kWpStromwechselcenter · Ratgeber · Energiemarkt

Zwei sehr verschiedene Preise für dieselbe Kilowattstunde

Jede Kilowattstunde, die dein Dach erzeugt, hat einen von zwei Werten. Verbrauchst du sie im Moment der Erzeugung selbst, ersetzt sie eine Kilowattstunde, die du sonst gekauft hättest. Damit fällt der komplette Bezugspreis weg. Darin stecken nicht nur der Energiepreis, sondern auch das Netzentgelt, die Elektrizitätsabgabe, der Förderbeitrag, in Wien obendrein die Gebrauchsabgabe, und auf die Summe die Umsatzsteuer von 20 Prozent. Zusammengerechnet liegt dieser Bezugspreis, abhängig von Netzbereich und Tarif, häufig zwischen 30 und 40 Cent.

Speist du die Kilowattstunde dagegen ins Netz ein, bekommst du dafür nur die Einspeisevergütung. Die orientiert sich derzeit meist am Marktpreis und liegt grob zwischen 5 und 9 Cent. Der Abstand zwischen beiden Werten ist groß, und genau er bestimmt das Tempo der Amortisation.

Nicht die Größe des Dachs entscheidet, wann sich die Anlage bezahlt macht, sondern der Anteil des Solarstroms, den du selbst verbrauchst.

Autarkie ohne und mit Speicher

Der Autarkiegrad beschreibt, welchen Teil deines Verbrauchs die Anlage abdeckt. Ohne Speicher erreichen typische Haushalte 30 bis 40 Prozent, weil die Sonne mittags am meisten liefert, der Verbrauch aber morgens und abends anfällt. Ein passend ausgelegter Speicher nimmt den Überschuss vom Mittag auf und gibt ihn am Abend wieder ab. Damit erreichen Haushalte Autarkiegrade von 55 bis 80 Prozent.

Bei der Speichergröße gibt es allerdings eine Grenze, ab der zusätzliche Kapazität kaum noch etwas bringt. Sie liegt bei ungefähr einer Kilowattstunde Kapazität pro 1.000 Kilowattstunden, die der Haushalt im Jahr verbraucht. Wer darüber hinaus kauft, erhöht vor allem die Investition, nicht den Eigenverbrauch.

Ein Beispiel aus Wien, nachgerechnet

Ein Haushalt in Wien mit 4.500 kWh Jahresverbrauch, eine Anlage mit 10 kWp, ein Speicher mit 10 kWh, Kaufpreis 18.000 Euro. Der Arbeitspreis des Stromtarifs liegt bei 18 Cent. Die Anlage liefert rund 10.000 kWh im Jahr. Davon nutzt der Haushalt etwa 3.600 kWh selbst, der Rest geht ins Netz.

Eingesparte Stromkosten und Einspeiseerlös ergeben im ersten Jahr zusammen rund 1.600 Euro. Rechnerisch ist der Kaufpreis damit nach etwa zehn Jahren zurückverdient. Auf 20 Jahre gerechnet bleibt nach Abzug der Investition unter dem Strich ein Plus von gut 20.000 Euro, wobei steigende Strom- und Netzpreise in die Rechnung eingehen. Die Annahmen dahinter: 1.000 kWh Ertrag je kWp, 0,4 Prozent Leistungsverlust der Module pro Jahr, jährlich 2,5 Prozent höherer Strompreis und 4 Prozent höhere Netzkosten.

Für Haushaltsanlagen ergeben Modellrechnungen in der Regel eine Spanne von 8 bis 14 Jahren. Schneller amortisiert sich eine Anlage, wenn viel Strom im Haus bleibt, wenn der Netzbereich hohe Entgelte verrechnet und wenn der Kaufpreis gut verhandelt wurde. Langsamer geht es bei geringem Verbrauch, niedriger Einspeisevergütung und einer Anlage, die für den Haushalt zu groß geraten ist. Was dein Netzbereich je Kilowattstunde verrechnet, zeigt zum Beispiel der Netzkosten-Rechner für Wien.

Vier Entscheidungen vor der Unterschrift

  • Größe nach Verbrauch, nicht nach Dachfläche: Jedes zusätzliche Kilowatt Peak erzeugt vor allem Überschuss, der zu niedrigen Preisen eingespeist wird.
  • Speicher mit Augenmaß: Als Richtwert taugt eine Kilowattstunde Kapazität pro 1.000 Kilowattstunden, die du im Jahr verbrauchst.
  • Künftige Verbraucher mitdenken: Ein E-Auto oder eine Wärmepumpe erhöht den Verbrauch und damit den Eigenverbrauch, und das steigert den Wert der Anlage.
  • Vorsicht bei der Einspeisevergütung: Rechnungen mit 10 Cent oder mehr lassen die Anlage auf dem Papier besser aussehen, als sie ist.

Der Strom, der weiter aus dem Netz kommt

Auch mit Anlage und Speicher bleibt ein Teil des Verbrauchs beim Netzbezug, vor allem an Winterabenden. Für diese Kilowattstunden gelten Tarif und Netzkosten wie bisher. Zwei Dinge lohnen sich deshalb weiterhin. Erstens ein Blick auf den Sonnenrabatt, der die Netznutzung in den Mittagsstunden günstiger macht. Deine Situation rechnest du im Sonnenrabatt-Rechner durch. Zweitens eine Prüfung des Energiepreises alle ein bis zwei Jahre, denn er ist der einzige Teil des Netzbezugs, den du frei wählen kannst. Ob dabei ein Fixpreis oder ein Spot-Tarif besser zu einem PV-Haushalt passt, hilft der Spot-Tarif-Rechner einzuschätzen.

Grundlagen: Systemnutzungsentgelte-Verordnung 2018 in der Fassung der Novelle 2026, BGBl. II Nr. 305/2025, sowie der OeMAG-Marktpreis mit Stand Juni 2026.

Häufige Fragen

Modellrechnungen ergeben für Haushaltsanlagen in der Regel 8 bis 14 Jahre. Im Wiener Beispiel mit 10 kWp, 10 kWh Speicher und 4.500 kWh Verbrauch sind es etwa zehn Jahre. Entscheidend ist der Anteil des selbst verbrauchten Stroms.

Auch mit PV kommt im Winter Strom aus dem Netz. Schick mir deine Rechnung, ich sage dir, ob der Tarif dafür passt. Kostenlos.

Rechnung prüfen lassen

Die Prüfung kostet dich nichts. Wechselst du danach über uns, zahlt der neue Versorger eine Provision. Auf unsere Einschätzung hat das keinen Einfluss.