Gebrauchsabgabe Wien: 7 Prozent auf Netz und Energie erklärt
Wer in Wien eine Stromrechnung liest, findet eine Zeile, die es sonst nirgends gibt: die Gebrauchsabgabe. Seit 1. März 2026 sind es 7 Prozent, und zwar auf zwei Teile der Rechnung. Hier steht, wofür die Stadt das Geld verlangt, was es dich kostet und warum die Abgabe vor Gericht liegt.
Miete für den Platz unter der Straße
Rechtsgrundlage ist das Wiener Gebrauchsabgabengesetz. Der Gedanke dahinter ist einfach: Wer öffentlichen Grund benutzt, zahlt dafür an die Gemeinde. Stromkabel, Gasrohre und Fernwärmeleitungen verlaufen unter den Straßen der Stadt, und für diese Nutzung hebt Wien eine Abgabe ein. Sie ist also weder ein Netzentgelt noch ein Teil des Energiepreises, sondern eine eigene kommunale Abgabe, die auf beides aufgeschlagen wird. Du bezahlst damit keine Leistung, die du selbst bekommst, sondern die Nutzung städtischen Bodens durch die Leitungen.
Zuvor galten 6 Prozent. Seit 1. März 2026 sind es 7 Prozent, und jede Rechnung für Zeiträume ab diesem Stichtag wird mit dem höheren Satz erstellt.
Warum du die Abgabe zweimal findest
Auf der Abrechnung erscheint die Gebrauchsabgabe in zwei Zeilen. Die erste stammt vom Netzbetreiber: Die Wiener Netze rechnen die 7 Prozent auf sämtliche Netzentgelte, und auch das Messentgelt bleibt davon nicht ausgenommen. Die zweite Zeile kommt vom Lieferanten. Viele Versorger, darunter Wien Energie, verrechnen ebenfalls 7 Prozent, und zwar auf den Energiepreis inklusive Grundgebühr (Stand Juni 2026).
Auf der Rechnung heißen die beiden Positionen üblicherweise Gebrauchsabgabe Netz und Gebrauchsabgabe Energie. Welche Zeile was ist, steht im Beitrag Stromrechnung lesen.
- Gebrauchsabgabe Netz: 7 Prozent auf alle Netzentgelte inklusive Messentgelt, verrechnet über die Wiener Netze.
- Gebrauchsabgabe Energie: 7 Prozent auf Energiepreis und Grundgebühr, verrechnet von vielen Lieferanten.
- Umsatzsteuer: Sie wird auf den Gesamtbetrag berechnet, also auch auf die beiden Abgaben.
- Geltungsbereich: Flächendeckend betrifft die Abgabe nur Haushalte in Wien.
Ein Rechenbeispiel für 3.500 Kilowattstunden
Ein Wiener Haushalt mit 3.500 kWh im Jahr: Auf das Netzentgelt entfallen 2026 rund 24 Euro Gebrauchsabgabe. Der zweite Betrag hängt vom Tarif ab, weil er als Prozentsatz des Energiepreises berechnet wird. Bei einem Arbeitspreis von 15 Cent je Kilowattstunde kommen etwa 40 Euro dazu.
In Summe ergibt das rund 65 Euro netto im Jahr. Weil auf die Abgabe noch die Umsatzsteuer aufgeschlagen wird, landen knapp 78 Euro auf der Rechnung. Wie sich die Netzkosten für deinen Verbrauch im Detail zusammensetzen, siehst du im Netzkosten-Rechner für Wien.
Was in den anderen Bundesländern gilt
Eine Gebrauchsabgabe, die flächendeckend jeden Haushalt betrifft, gibt es nur in Wien. Tirol, die Steiermark und Salzburg kennen sie lediglich in einzelnen Gemeinden. Im Burgenland und in Vorarlberg existiert überhaupt keine gesetzliche Grundlage auf Landesebene. Wer aus einem anderen Bundesland nach Wien zieht, sieht diese Position also zum ersten Mal auf der Rechnung.
Der Streit um die zweite Zeile
Umstritten ist nicht die Abgabe an sich, sondern ihre Weiterverrechnung durch den Lieferanten. Seit 2024 führt der Verbraucherschutzverein deshalb eine Klage. Das Argument: Die Leitungen unter der Straße gehören dem Netzbetreiber, nur er beansprucht den öffentlichen Grund. Der Lieferant handelt lediglich mit Strom und belegt selbst keinen Boden der Stadt. Bis die Gerichte endgültig entschieden haben, ändert sich an der Praxis aber nichts. Beide Zeilen stehen weiterhin auf jeder Wiener Stromrechnung.
Die Gebrauchsabgabe ist keine Gebühr des Netzes und kein Teil des Energiepreises, sondern ein Prozentaufschlag auf beides.
Was du selbst beeinflussen kannst
Den Satz legt die Stadt fest, die Netzentgelte hängen an deiner Adresse. An beidem kannst du nichts drehen. Ändern kannst du den Energiepreis, also das, was dein Lieferant verlangt. Genau den vergleiche ich mit aktuellen Angeboten, kostenlos. Wechselst du, zahlt der neue Anbieter eine Provision. Wie Netzentgelte und Abgaben 2026 im Vergleich der Bundesländer aussehen, liest du im Überblick zu den Netzkosten 2026.
Grundlagen dieses Beitrags sind das Wiener Gebrauchsabgabengesetz und die Informationsblätter der Wiener Netze.
Häufige Fragen
Die Erhöhung von 6 auf 7 Prozent gilt seit 1. März 2026. Grundlage ist das Wiener Gebrauchsabgabengesetz. Für Verbrauch vor diesem Datum galt noch der alte Satz.
An der Abgabe kann ich nichts ändern, am Energiepreis schon. Schick mir deine Wiener Rechnung, ich prüfe sie kostenlos.
Rechnung prüfen lassenDie Prüfung kostet dich nichts. Wechselst du danach über uns, zahlt der neue Versorger eine Provision. Auf unsere Einschätzung hat das keinen Einfluss.